Nördliche Rhône

Die Weinberge an der Rhône können auf eine lange Tradition zurückblicken und gehören wohl zu den ältesten in Frankreich. Bereits im 4. Jahrhundert soll hier Weinbau betrieben worden sein. Das Weinbaugebiet der nördlichen Rhône zwischen Vienne und Valence wird vom Kontinentalklima mit warmem Frühling und heißem Sommer bestimmt.

Die nördliche Rhône ist vor allem für seine großen, gehaltvollen Rotweine bekannt, die lange reifen und nach vielen Jahren umso mehr erfreuen. Die verherrschende Traube ist die dunkle, tanninreiche Syrah für Rotweine, für die Weißen werden Viognier, Marsanne und Rousanne angebaut.

AOCs: für Rotwein: Côte Rôtie und Cornas,
für Rot- und Weißweine: Saint-Joseph, Crozes-Hermitage, Hermitage
für Weißweine: Château Grillet, Condrieu und St. Péray

Côte Rôtie

Ganz im Norden des Anbaugebiets Nahe Vienne ca. 30 km südlich von Lyon wird hier auf steil zur Rhône abfallenden Hügeln vornehmlich Syrah angebaut, eine Traube, die schon seit römischer Zeit hier beheimatet ist.

Die Côte de Rôtie wird unterteilt in die Côte Brune und die Côte Blonde. Der Sage nach soll der Landadlige Maugiron vor langer Zeit die Côte Blonde seiner blonden Tochter und die Côte Brune seiner dunkelhaarigen Tochter vermacht haben. Legenden leben lange und so werden die Weine von hier oft als eher feminin bezeichnet im Vergleich zu den maskulinen der Hermitage.

Die Weine sind tiefdunkel, konzentriert, kraftvoll und voller Tannine. Ihre Trinkreife stellt sich oft erst nach langer Lagerung ein. Der roten Syrah dürfen bis zu 20% weiße Viognier zugegeben werden.

Saint Joseph

Das 3 ha große Weingut von Marie Claude Lafoy und Vincent Gasse in Ampuis wird seit 1987 nach den Richtlinien des biologischen Landbaus bewirtschaftet. Neben dem Côte Rôtie werden noch Weine der Lage Saint Joseph angebaut.

M. Grasse bewirtschaftet das Weingut im Nebenerwerb. Der Lehrer für Agrarwirtschaft versteht es sehr eindrücklich den Weinbau in den Steilhängen der Rhône zu beschreiben. Die kleinen Gärten werden mit Hilfe von Flaschenzügen bewirtschaftet. Um einen Hektar zu bearbeiten benötigt der Winzer 1.200 Stunden im Jahr. (Zum Vergleich: in der Ebene sind es 20-30 Stunden).

Seine Weine sind schwer, fruchtig und noch sehr juvenil. Sie werden noch ein paar Jahre brauchen, um sich zu öffnen. Doch dann werden die gehaltvollen und extraktreichen Tropfen ihre volle Kraft offenbaren.

Die Weine der Lage Saint Joseph hingegen sind auch jetzt schon sehr viel zugänglicher und können daher auch jünger getrunken werden.

Hermitage, Crozes Hermitage

1124 kehrte Ritter Henri Gaspard de Sterimberg von einem Kreuzzug zurück und hielt in die Nähe von Tain Rast. Beeindruckt von dem terrassenförmigen Weinhügel oberhalb der Rhône verbrachte er die restlichen 30 Jahre seines Lebens als Eremit auf dem Weinberg - daher der Name Hermitage. Soweit die Legende. Das Hermitage wird unterteilt in das Kerngebiet Hermitage mit seinen steilen Terassen und das umliegende Crozes-Hermitage.

Der rote Hermitage gilt auch heute noch als einer der gehaltvollsten Weine der Welt, der Farbe, Kraft und Tannin in beeindruckender Weise vereint. Seine Haltbarkeit ist fast schon Legende: Ein guter Hermitage reift ohne weiteres 20-40 Jahre; man riecht und schmeckt deutlich das Holz, denn die Erzeuger gönnen ihm zwei Jahre und mehr Fassreife. Die Farbe ist tiefdunkel, der Geschmack breit, fleischig, muskulös, intensiv, ohne wuchtig zu sein. Auch der Weißwein, vor 150 Jahren der wohl teuerste Wein der Welt, ist ein körpereicher, trockener, blassfarbener Wein von hohem Charakter. Ein Alkoholgehalt von 13-14 % ist für ihn normal.

Auf der der Rhône zugewandten Südflanke des Hermitage-Hügels sind heute ca. 125 ha mit Reben bepflanzt. Blaue Trauben, und zwar auschließlich Syrah, machen ein Drittel der Anbaufläche aus. Die weißen Reben sind hauptsächlich Marsanne und Roussanne, die auch bis zu 15 % dem Rotwein beigemischt werden.

Die Bodenstruktur ist unterschiedlich: An der steilen Westseite überwiegt Granit, die Mitte ist reich an Kiesboden, während der Boden im Ostteil mehr Kies, Kalk und Sand aufweist.

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